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Eröffnungsrede von Dr. Stefan Soltek
Elsa Vogt-Ramachers in der DTP AKADEMIE Rheinmain
Liebe frau vogt-ramachers,
sie kommen mit ihren bildern an einen ort, der sich allmählich zu einem der wichtigsten foren für malerei-ausstellungen in offenbach entwickelt – und das als quereinsteiger, oder kann ich sagen als schirmherr für bilder, womit ich umspielen möchte, dass bildschirme im mittelpunkt der akademie stehen. Nun liegt das wort vom bildschirmschoner nahe, und erlaubt eine ernsthaft wohltuende abgrenzung. Bilder, die hier zur ansicht kommen, nämlich nicht solche, die am pc oder mac entstehen, sondern klassisch gemalte, fungieren eben nicht als dekoration der arbeitsräume. Vielmehr begreifen sie die veranstalterinnen, evamaria ellmerich und susanna koch als interventionen einer kulturellen in einer zivilisatorischen welt. Kurz gesagt, in der dtp akademie bemüht man sich nicht um verzierung sondern um auseinandersetzung mit malerei und grafik – und dafür möchte ich vom klingspor museum aus meine anerkennung und sympathie zum ausdruck bringen.
Diese gedanken stellen sich heute abend nicht von ungefähr ein, sondern im angesicht ihrer malerei, liebe frau vogt-ramachers. Ihre bilder sind erarbeitet, sprechen eine sprache, entwickeln substanz und ausstrahlung, und künden von einer haltung, die die welt nicht ausschmücken, sondern pointiert erschließen will.
Warm amber nennen sie ihre ausstellung. Ich versuche mich, mit hilfe von google einzufinden, um eine literarische dimension, eine philosophische oder sonst wie anregende assoziation zu finden – vergeblich: nur hunderte seiten zu einem handy, das ein großer hersteller unter diesem namen, also warm amber, herausgebracht hat, und zu dem man erstaunlich viel berichten und kommunizieren muß. Es ist von unsäglich kitschiger erscheinung, und setzt sich so weit ab von allem, was zu den bildern von elsa vogt-ramachers zu sagen ist.
Was sie zeigen, landschaft in eindringliche farben getaucht, hat offenkundig mit ihrem leben in südamerika zu tun – ich jedenfalls, der ich nie dort gewesen bin, möchte mir vorstellen, die atmosphäre der bilder transportiere eindrücke, die landstriche dort mitgeben können
Elsa vogt-ramachers nimmt uns mit in die landschaft, sie wiederbelebt die alte gattung des landschaftsbildes und leistet es, eine eigene neuzeitliche ausdrucksweise zu erwirken. Wenn immer sie pflanzen, büsche, felsen, gräser vorstellt, gelingt ihr der überzeugende standpunkt von dem aus das sujet dezidiert gesehen und in form gebracht erscheint. Es sind sicher beherrschte und dosiert zueinander gebrachte stilmittel die sie wohl durchstrukturiert zur sprache bringt.
Elemente sind die farbanmischungen, das nebelhafte, das fragmenthafte, das fragil-lineare, aus dem die gräser einer wiese ebenso erwachsen wie die zweige eines busches, stämme einer baum- und flusslandschaft, das geäst rund um ein vogelnest...Immer entstehen taktile, zerbrechlich anmutende formationen, wie reisigbündel.Bei aller wohltuenden wärme teilt sich doch auch hitze, zuviel hitze, rotglühendes vergehen mit.
Da überführt sich das schöne ins ausatmen, oder kaum mehr luftkriegen---
Eine besondere spielart des landschaftsbildes kommt mir in den sinn: Die maler des 16./17. jahrhunderts, guericno und poussin malten berühmt gewordene bilder, auf den der alte ausspruch et in arkadia ego vorkommt. Auch ich war in arkadien und anders übersetzt auch der tod wohnt in arkadien…
Es waren die mahnungen an das zeitliche, an das vergängliche, daran, dass eine unausweichlichkeit besteht, in den prozess des irdischen seit dem sündenfall aus dem paradies der zeitlosigkeit vertrieben unterworfen zu sein.
In dieser tradition findet elsa vogt-ramachers ihren ganz eigenen anknüpfungspunkt, und es verwundert nicht, dass sie von den naturgärten ausgehend in den – ein bild nennt ihn so – eigenen seelengarten hinüberreicht.
Die bilder sind nicht abklatsche, nicht nachempfindungen, sondern sie konstruieren aussagen. Darin sind sie charakteristisch, das sich der werkprozess der collage in eine sinnfällige, verbindung zum arkadischen der idylle, die vergeht, setzt. Die collage fungiert als erlebbarer werkprozess, der das oberflächliche durchbricht um eine überzeugende erstaussage zu formulieren.
Das auge liest sich durch die malerei, wird nicht eingelullt vom farbklang sondern konstatiert die buchstäbliche auseinandersetzung einer engagierten malerin mit ihrem vokabular.
